Lehrstuhl für Public Health und Versorgungsforschung
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Waldtherapie

Die Waldtherapie ist ein Element der Klimatherapie, welches gezielt für präventive und therapeutische, aber auch rehabilitative Zwecke eingesetzt werden kann. Dazu gibt es eine Vielzahl internationaler Studien, welche gesundheitsfördernde Aspekte auf Körper und Psyche darstellen, wennauch die Studienqualität oft mangelhaft ist. Deshalb ist die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem Thema "Wald und Gesundheit" dringend nötig.

Das Waldbaden (jap. Shinrin-yoku) weist in Japan und Südkorea auf eine lange Tradition zurück. Während eines Aufenthaltes im Wald wird der Mensch mit all seinen Sinnen angesprochen:

  • Die Augen empfangen unterschiedliche Lichtverhältnisse, zumeist Dämmerlicht
  • Der Geruchssinn nimmt neue Eindrücke wahr, wie z. B. den Geruch von Holz und Erde
  • Man hört seltene, ungewohnte Geräusche wie Vogelstimmen, das Rascheln der Blätter oder das Plätschern eines Baches
  • Mit den taktilen Sensoren der Hände / Füße können neue Materialien erspürt werden (Blätter, Rinde, Wurzeln etc.)
  • Der Geschmackssinn wird z. B. durch das Probieren von Beeren angesprochen

Waldbaden soll gesundheitsfördernd sein

Abhängig vom Waldtyp (Laub-, Misch- oder Nadelwald) bildet der Wald sein spezifisches Waldklima aus. Das Waldklima zeichnet sich durch folgende gesundheitsfördernde Elemente aus:

  • hohe Luftqualität und Reduktion von Luftschadstoffen führen zur Entlastung von Atemwege und Haut sowie einer systemischen Wirkungen (u. a. auf Herz- und Gefäße)
  • hohe Luftfeuchtigkeit entlastet die Atemwege
  • niedrige Lufttemperaturen steigern die körperliche Leistungsfähigkeit und härten ab
  • spezielle Lichtverhältnisse führen zur Verbesserung von Stimmung und vermitteln Geborgenheit
  • Pflanzen, Bäume, Holz, Waldboden, Erde tun ebenfalls der Psyche gut

Somit könnte die Waldtherapie für die Primär- oder Sekundärprävention eingesetzt werden.

Was ist ein Kurwald?

Der Begriff "Kur- oder Heilwald" steht für ein bestimmtes Waldareal, das als Setting für konkrete präventive oder therapeutische bzw. rehabilitative Maßnahmen gedacht ist. Ein Kur- oder Heilwald sollte bestimmte Kriterien erfüllen (Schuh et al. 2013, Kriterienkatalog). Dies wurde erstmals in Pilotgemeinden in Mecklenburg-Vorpommern umgesetzt und im September 2017 in Heringsdorf auf Usedom ein Heilwald.

Entwicklung von Kurwäldern und Evaluierung der Waldtherapie

Wir begleiten wissenschaftlich die Entwicklung von Kurwäldern sowie die Evaluation von möglichen Effekten des Waldbadens bzw. der Waldtherapie national wie international und bieten

  • Beratung bei Planung und Entwicklung eines Kurwaldes für präventive, therapeutische oder rehabilitative Zwecke
  • Begutachtung zum Kur- oder Heilwald basierend auf dem Kriterienkatalog für Kur- und Heilwälder (Schuh & Immich 2013) bzw. seiner Weiterentwicklung
  • Evaluationsstudien zur Waldtherapie (wissenschaftliche Konzeption, Planung und Durchführung von Studien)
  • Weiterbildung von Waldgesundheitstrainern und Waldtherapeuten (Start Frühjahr 2019) in Zusammenarbeit mit der Ärztegesellschaft für Präventionsmedizin und klassische Naturheilverfahren Kneippärztebund e.V. in Bad Wörishofen
  • Weiterbildung zum Klimatherapeuten 

Für weitere Informationen stehen Frau Immich, M.Sc. (Tel. 089/2180-78213, email: gisela.immich@lmu.de) oder Frau Prof. Schuh (Tel. 089/2180-78215, email: angela.schuh@med.lmu.de) zur Verfügung.