Lehrstuhl für Public Health und Versorgungsforschung
print

Sprachumschaltung

Navigationspfad


Inhaltsbereich

Implementierung und Anwendung der ICF Core Sets der Hand in Klinik, Rehabilitation und Forschung

Beschreibung

Ziel des "Leuchtturmprojekt Hand" war die Anwendung und Implementierung der ICF Core Sets der Hand als Steuerungsinstrument der rehabilitativen Behandlung von Patienten mit Verletzungen und Erkrankungen der Hand. Spezifische Ziele des Forschungsvorhabens waren (1) die Entwicklung von ICF-basierten Arbeitshilfen und Behandlungsstandards, (2) das Aufzeigen von deren Anwendungsgebieten, (3) die Implementierung der Arbeitshilfen und Behandlungsstandards und (4) die Entwicklung von Lernmaterialien und eines elektronischen Lernprogramms.

Das ICF-basierte Assessment Hand (ICF HandA) wurde unter Verwendung von Evidenz aus vorbereitenden Studien (Expertenbefragung, systematische Literaturreviews) im Rahmen eines Konsensusprozesses und basierend auf dem Kurzen ICF Core Set der Hand entwickelt. Mit dem ICF HandA steht eine Auswahl an Messinstrumenten und Assessmentverfahren zur Verfügung, durch deren Einsatz eine Erfassung der Funktionsfähigkeit und von Kontextfaktoren bei Patienten mit Verletzungen und Erkrankungen der Hand möglich ist. Damit lässt sich die Funktionsfähigkeit von Patienten entlang des gesamten Heilverfahrens - von der Akutversorgung bis zur Wiedererlangung der Arbeitsfähigkeit - in standardisierter Form darstellen. Das ICF HandA ermöglicht den Aufbau eines prospektiven Datenpools, der zur Evaluation der Ergebnisqualität, Überprüfung von operativen und rehabilitativen Behandlungsstrategien und zur Erstellung von Prognosen zur Arbeitsfähigkeit und Feststellung der Schwere von Handverletzung (ICF Score Hand) herangezogen werden kann. Mit dem ICF HandA wird zudem erstmals im Bereich der handchirurgischen Versorgung und Rehabilitation eine ganzheitliche Betrachtung des Patienten unter Berücksichtigung beruflicher und sozialer Hintergründe sowie unter Einbezug teilhabe- und aktivitätsorientierter Aspekte Rechnung getragen.

Das ICF HandA wurde in einer multizentrischen Querschnittstudie an 294 Patienten mit einem breiten Spektrum an Verletzungen und Erkrankungen der Hand auf klinische Relevanz und Umsetzbarkeit geprüft. Mit den Daten dieser Studie wurden Prävalenzen (Häufigkeiten) der einzelnen Aspekte der Funktionsfähigkeit festgestellt und ein Profil der Funktionsfähigkeit dargestellt.

Um zu überprüfen, ob mit dem ICF HandA Veränderungen der Funktionsfähigkeit im Verlauf erfasst werden können, wurden für sechs Verletzungen und Erkrankungen der Hand (Amputation, Beugesehnenverletzung, Fingerfraktur, Rhizarthrose, Morbus Dupuytren und Komplexes regionales Schmerz-syndrom) Behandlungsstandards mit entsprechenden Referenzpunkten zur Erfassung des ICF HandA erarbeiten. Des Weiteren sind in den Behandlungsstandards Empfehlungen für die Akutversorgung der jeweiligen Verletzung bzw. Erkrankung einschließlich jeweiliger Nachbehandlungsprocedere und Vorschläge für die in der rehabilitativen Versorgung durchzuführenden therapeutischen Maßnahmen einschließlich deren Zuordnung zur ICF enthalten. Die Behandlungsstandards stellen damit einen "Leitfaden" für Ärzte und Therapeuten zur Akutversorgung und Nachbehandlung von Patienten mit oben genannten Verletzungen und Erkrankungen dar.

Des Weiteren kann über das ICF HandA ein automatisiertes und standardisiertes Berichtswesen generiert werden. Die Bestandteile dieses ICF-basierten Berichts werden automatisch über eine im Kliniksystem medico programmierte Anwendung (ICF HandE) generiert. Das im Berichtswesen verankerte Ampelsystem liefert einen Überblick über den aktuellen Status der Funktionsfähigkeit und mögliche Veränderungen im Heilverlauf. Eine tagesgleiche Weiterleitung des ICF-basierten Berichts von der Klinik zu Unfallversicherungsträgern oder niedergelassenen Ärzten und damit über Schnittstellen hinweg ist denkbar. Hier sind für den Routinebetrieb noch EDV-technische Anpassungen notwendig.

Mit dem ICF HandA wurde ein umfassender Datenpool im Rahmen einer prospektiven Längsschnittstudie mit 241 Patienten zunächst für sieben Verletzungen und Erkrankungen der Hand aufgebaut und durch eine ergänzende Zusatzstudie am BG Klinikum Hamburg um 301 Patienten erweitert, um auch Daten von Patienten mit weiteren Diagnosen einzubeziehen. Mit diesem Gesamtdatenpool konnte eine Prädiktion der Arbeitsfähigkeit modelliert werden, deren Ergebnisse wichtige Hinweise zur Optimierung des Heilverfahrens liefern.

Basierend auf den Datensätzen aus den drei im Verlauf des Forschungsvorhabens durchgeführten Studien konnte unter Anwendung von Rasch-Analysen ein Score der Funktionsfähigkeit (ICF Score Hand) entwickelt werden. Durch den Einsatz des ICF Score Hand lässt sich die Funktionsfähigkeit zu einem bestimmten Zeitpunkt im Heilverfahren oder als Veränderung über den Verlauf des Heilverfahrens hinweg darstellen. Es können auch Zusammenhänge zwischen Funktionsfähigkeit und Parametern wie der Arbeitsfähigkeit und der Dauer der Arbeitsunfähigkeit untersucht werden und somit entscheidende Informationen zur Steuerung des Heilverfahrens oder des Reha-Managements liefern.

Die entwickelten Materialien wurden auf der im Rahmen des Forschungsvorhabens erstellten Internetplattform zur Verfügung gestellt. Zur Darstellung des ICF HandA in einem Anwenderhandbuch wurde umfangreiches Text, Bild- und Videomaterial erarbeitet, auf der Plattform zur Verfügung gestellt und von der Deutschen Gesellschaft für Handchirurgie als offizielles Assessmentinstrument verlinkt. Zudem verdeutlichen Fallstudien den Einsatz des ICF HandA am Beispiel der Behandlungsstandards. Ein modular aufgebautes Lernprogramm (ICF-Lernplattform Hand) bietet Klinikern wie Mitarbeitern der Unfallversicherungsträger die Möglichkeit, Kenntnisse über die ICF im Allgemeinen sowie über die Anwendung der ICF in der Praxis zu erwerben.

Kooperationspartner

Das Forschungsvorhaben wurde unter der gemeinsamen Hauptverantwortung der Abteilung für Handchirurgie, Plastische und Mikrochirurgie des BG Klinikums Hamburg und dem Lehrstuhl für Public Health und Versorgungsforschung der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) München (Leitung Arbeitsgruppe: Dr. Michaela Coenen) durchgeführt. Als Kooperationspartner beteiligt waren die handchirurgischen Abteilungen der folgenden Kliniken: BG Universitätsklinikum Bergmannsheil Bochum, BG Klinikum Bergmannstrost Halle, Unfallkrankenhaus Berlin, BG Klinikum Duisburg, BG Unfallklinik Frankfurt am Main, BG Klinik Ludwigshafen, BG Unfallklinik Murnau und BG Klinik Tübingen sowie das Institut für interdisziplinäre dermatologische Prävention und Rehabilitation (iDerm) am BG Klinikum Hamburg und die Klinik für Handchirurgie der Rhön-Klinikum AG Bad Neustadt a. d. Saale.

Laufzeit

10/2011 - 09/2016

Förderung

Gefördert durch die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV)

Ansprechpartnerinnen

Dr. Michaela Coenen, MPH
Michaela.Coenen@med.lmu.de

Dr. Sandra Kus, MPH
Sandra.Kus@med.lmu.de

Links

http://leuchtturmprojekt-hand.de/


Servicebereich